Archiv für Juli 2008

Die böse Geschichte

An dieser Stelle wollen wir auf einen kürzlich veröffentlichtes, kritisches Replik der Dresdner Gruppe „Black Monday“ hinweisen, welches sich auf Ralfs Beitrag in der ,,crtl_f“ bezieht und die innerlinken Ver(w)irrungen rund um den 13 Februar thematisiert:

Die böse Geschichte

In der Sackgasse der Ideologiebildung. Über einen Beitrag der Dresdner Zeitung „ctrl_f“ zur sogenannten 13. Februar-Diskussion.

„Wenn der Bürger schon zugibt, dass der Antisemit im Unrecht ist,
so will er wenigstens, dass auch das Opfer schuldig sei.“
Horkheimer, Adorno: Dialektik der Aufklärung

Die Diskussion zum 13. Februar in Dresden bleibt langweilig. Nachdem die Dresdner Autonomenzeitung „ctrl_f“ in ihrer ersten Ausgabe ankündigte, sich diesem Thema anzunehmen, war es schon eine gewisse Überraschung, als unter dem Titel „Linke Wahrheiten? Einige herrschaftskritische Anmerkungen zur linken Debatte um den 13. Februar“ in der dritten, auf Juni datierten Ausgabe tatsächlich von Ralf ein Beitrag hierzu erschien. In Anbetracht dessen, dass in dieser von allen Seiten so inbrünstig gewünschten „Diskussion“ sich bizarrerweise bisher niemand, weder die „Kritiker_innen“ noch der diesjährige Vorbereitungskreis noch irgendwer sonst, dazu hergab, auch nur ein definitives schriftliches Statement zu publizieren, gehört schon ein gewisser Mut dazu, die intellektuelle Verantwortung für das eigene Denken und die darin natürlich liegende Entblößung auf sich zu nehmen, was dem Autor unbedingt zugute zu halten ist.
Aber auch dem sind Grenzen gesetzt. Der „Schluss“ dieses Textes ist ganz der alte: eine Diskussion soll her, und den einzigen tatsächlichen Inhalt des Textes bilden – isolierte „Anmerkungen“, wie schon der Titel verspricht, einzelne „Kritikpunkte“ und „Fragen“, deren Beantwortung gefordert wird – eine Antwort, die der Autor selbstverständlich schuldig bleibt. Das allerdings hören wir nicht zum ersten Mal. Ralfs Beitrag steht nicht alleine; er drückt äußerst gut die Grauzone aus, in der sich ein gewisser Teil der Dresdner Antifa derzeit befindet: im Dilemma zwischen dem sich steigernden Unbehagen mit der bisherigen (eigenen) Position und der verdeckten oder offenen Ideologiebildung.

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Sommer Sonne Antifa#8

Auch in diesem Jahr findet vom 06.-10. August das Antifaschistische Jugendcamp statt, diesmal nicht in Oberhausen, sondern im AZ Muelheim.

Antifaschismus heiszt fuer uns nicht nur, gegen Nazis zu sein, sondern auch, die herrschenden Verhaeltnisse, die aus sich heraus immer wieder faschistische Tendenzen hervorbringen, radikal zu kritisieren. Die Weltrevolution scheint erst mal nicht auf der Tagesordnung zu stehen, obwohl eine befreite Gesellschaft dringend notwendig waere, um allen Menschen eine menschenwuerdige Existenz zu ermoeglichen.
Trotzdem – oder gerade deswegen! – moechten wir auf dem Camp zusammen mit allen Interessierten ueber die Kritik von Kapitalismus, Herrschaftsverhaeltnissen und reaktionaeren Ideologien diskutieren. Basics zur antifaschistischen Praxis ergaenzen das Programm.

Fuer vegane Vollpension, Schlafplaetze und ein kulturelles Rahmenprogramm im AZ ist gesorgt. Ihr braucht euch also nur noch den Termin merken, rechtzeitig Schlafsack und Isomatte einpacken und vorbeikommen.
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Die transformierte Dresdner Gedenkkultur und Das Ausbleiben antifaschistischer Kritik

Die neue Dresdner Gedenkkultur zeichnet sich durch mehrere, wesentliche Merkmale, welche sich inkomplimentär geben und doch komplementär bedingen, ab:

Alliierte Schuld als Vorbau bürgerlicher Agitationen und Bedingung moderner Gedenkkultur

Zum Ersten ist dies die als Vorbau der bürgerlichen Agitation dienliche Konstruktion alliierter Schuld, welche sich stets aggressiv und offensiv formuliert. Dieses Element der Dresdner Gedenkkultur wurde vor allem primär in den letzten Jahren gepflegt, um eine polare und indes vorläufig eindeutige Position gegenüber dem „angloamerikanischen Bombenterror“ formieren zu können. Martin Blumentritt bezeichnete diese Art des Gedenkens in seinem Vortrag des Jour Fixe der Initiative Sozialistisches Forum vom 18. Juni 2002 als einen „Ausfall von Synthesis-Leistungen, die[…] der Deutung bedarf.“1 Die Bombardierung Dresdens zeigte sich in diesem konstruierten Vorbau also als eine mythische, irrational selegierende Entkontextualisierung eines „Mythos Dresden“, welcher trotz seiner Irrationalität durch eine ihm immanente Logik der Projektion Deutscher Taten auf die Bombardierung Dresdens zur Rationalität des zivilgesellschaftlichen Konsens wurde. Parallel zu einem kollektiven Ausblenden historischer Kontextualität konstruierte sich also eine geschichtliche Realität, welche als irrational, da mystifiziert, benannt werden muss. Das Geschwätz über Tieffliegerangriffe, Fliegerjagden auf „Zivilisten“, Phosphorbomben, bis zu zehnfach überhöhten eigentlichen Opferzahlen, usw. usf. komplettierte das fixierte Moment Dresdner Traumata, welche zum bürgerlichen Trauerkurs geformt wurden. Jan Gerber beschreibt diesen Zustand in seinem Text über den „Linken Dresden Schwindel“2 treffend folgendermaßen:
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Jan Gerber – „Der linke Dresden-Schwindel“

Phase2 23/2007

In den Jahren nach 1989 musste man nicht der KB-Minderheit angehören, um vor einer Entwicklung hin zu einem »Vierten Reich« zu warnen. Angesichts brennender Asylbewerberheime, applaudierender Schnauzbartträger und untätig-affirmativer Polizisten sahen sich auch konservative Beobachter in Frankreich, Großbritannien und den USA an die Jahre um 1933 erinnert. Diejenigen, die die Erinnerung an die deutschen Verbrechen wach halten wollten, stießen auf Abwehr, Aggression und Leugnung. Statt über Auschwitz, Leningrad und Lidice wollten die Deutschen über die »Vertreibung« der Sudetendeutschen, über den alliierten Luftangriff auf Hamburg und vor allem: über Dresden sprechen. Als sich die Bombardierung der sächsischen Metropole 1995 zum 50. Mal jährte, wurde der Jahrestag, wie in der Konkret erklärt wurde, »zur Schaffung eines Nationalmythos genutzt, mit dem die Deutschen Auschwitz vergessen machen wollen«. Dresden wurde als Mahnmal für die Verbrechen der Alliierten präsentiert; die Dresdner Musikfestspiele fanden unter dem Titel »Apokalypse« statt; der Intendant der Festspiele behauptete, dass die Bombardierung Dresdens »wie kein zweites« Ereignis zum Symbol »des Grauens und des Leidens wurde«; und bei der zentralen Gedenkveranstaltung klärte Bundespräsident Herzog den Bischof von Coventry, den amerikanischen Botschafter und den Herzog von Kent über die »Unmenschlichkeit des Bombenkrieges« auf.
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