Archiv für Februar 2009

Geschichtsrevisionismus von Links?

Motivation für eine kritische Auseinandersetzung mit dem No Pasarán-Bündnis.

Auf der Kundgebung des Vorbereitungskreises “Keine Versöhnung mit Deutschland!” gehaltener Redebeitrag der Antifa R.D.L.

Wenn in linken Zusammenhängen die Stichworte „Dresden“ oder „13. Februar“ zu vernehmen sind, dann ist eine Assoziation zu den so genannten „Antideutschen“ oft nicht fern.

Die Gegenaktivitäten der vergangenen Jahre kritisierten sowohl relativistische Tendenzen im erinnerungspolitischen Diskurs, als auch die unterschiedlichen Spielarten des Geschichtsrevisionismus – unabhängig davon, ob sie von Bürger_innen oder Nazis getragen wurden.
Für einige war dass Grund genug, dem antifaschistischem Protest der letzten Jahre einfach fern zu bleiben. Selten genauer ausgeführt, dafür aber umso vehementer vorgetragen wurde dies mit recht schwammigen und ressentimentgeladenen Begründungen: Eine unterstellte „antideutsche Ausrichtung“ sollte das eigene Fernbleiben entschuldigen. Eine tiefere Auseinandersetzung mit der seit Jahren formulierten Kritik am Gedenken blieb hingegen aus. Stattdessen wurde und wird sich immer noch am Zerrbild von „auf Kriegstoten herumtrampelnden, nationalflaggenschwenkenden Antideutschen“ abgearbeitet.

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Durch Leid geadelt – Klappe halten

Gäbe es eine „Brigitte für [alternativ hier beliebiges Kürzel einsetzen] die Szene“, Dresden wäre das Thema der Woche. Fernab von postpubertären Phantasien über ein mögliches Titelbild, möchten wir hier die besten Kommentare zum diesjährigen Spektakel dokumentieren:

„Mir ist natürlich klar […] das es [das Gedenken A.d.R.] äh auch kollektive Identität erzeugt. Allerdings habe ich mit einer kollektiven Identität äh, die Vieles in den richtigen Kontext stellt, weniger ein Problem. Also ich meine äh, letztendlich äh ist auch das Gedenken zu Auschwitz äh auch dort werden kollektive Identitäten hergestellt, so.“

- „Peter“ vom Bündnis „No Pasaran“

„Ich find’s wichtig, grade an so nem Tag, nen bisschen Geschlossenheit zu zeigen. […] Aber grad an den zwei Tagen find ich, das man da auch über gewisse Sachen hinwegsehen sollte und Geschlossenheit zeigen muss.“

- Endi von der, für den New-Rave-Habitus der antideutsch codierten Popantifa unabdingbaren, Electropunkband „Egotronic“

„Der Erwerbsarbeit wegen bin ich dieses Jahr nicht beim Opferzirkus in Dresden dabei.“

- der klassenlose Vorzeigeproletariar Daniel Kulla

„Gegen Nazis demonstrieren? Ich schlaf lieber aus!“

- Rausch ausschlafender GSP-Apostel diffi, der dieses Mal ausnahmsweise das Sinnvollste macht

„Was bedeutet es aber, wenn man verlangt, dass auch ein Gedenken, gleich jedweder Art abgelehnt wird? Das ist nichts anderes als Geschichtsfälschung! […] Mal ganz drastisch ausgedrückt (und nein ich will hier nicht Dresden mit Auschwitz gleichsetzen): Wenn es ein Verbot geben würde am Jahrestag der Befreiung Auschwitz, öffentlich über Auschwitz zu reden, wäre dies nicht eine Geschichtsfälschung durch Unterlassung?“

- ra0105, Ein-Mann-APO des Bündnis „No Pasaran“

„Und natürlich wird dabei viel Musike auf den Lautis gespielt und Party gefeiert, um mal richtig “gegen Deutschland” zu “raven”, ergo sein Bekenntnis, auf antifaschistisch-guten Seite zu stehen, abzugeben.“

- der geprüfte (Denk)Legastheniker

„Deutsches und kollektives Rumgehure stinkt!!!“

- im Winterschlaraffenland zugeballerter und heftig zu Egotronic zappelnder Popantifa

Hinsichtlich der Flut an geistiger Diarrhoe, die als Event-Happening unter verschiedensten Vorzeichen aus den Gullideckeln linker Kanalisation hervorschwappt, bleibt sich nur noch Bernhard Klaus Tragelehn anzuschließen:

„Und dass die Dresdner sensibler sind, weil sie bombardiert wurden, glaub ich nicht. Sie halten sich für was Besseres, durch Leid geadelt oder so. Vor Dresden sind Guernica und Rotterdam und Coventry bombardiert worden, angefangen haben wir. Die angefangen haben, sollten die Klappe halten.“

Nachtrag:

„Der 13. Februar ist ein besinnlicher Tag für den Dresdner Bürger für seine Stadt, in der er nach vorn schauend, aus der Vergangenheit lernend, den Frieden mahnt. Man spricht an diesem Tage nicht von der Anzahl der Toten um 1945 sondern vom Blutvergießen im Irak und wünscht den Menschen den Frieden zu finden, den wir erhalten haben. Alte Wunden sind verheilt, dennoch werden wir Dresdner den 13. Februar still mahnend verbringen, weil wir aus der Vergangenheit gelernt haben.“

- David, gemeiner Dresdner Bürger